Mensch erhöre uns


Mit diesem Titel berichtet der Deutschlandfunk über kirchliche Kommunikationsarbeit. Kirchen-Zeitungen werden in den nächsten Jahren mangels Nachfrage eingestellt, kirchliche Medien beschäftigen sich gerne mit  Strukturproblemen der Kirchen statt über die Themen der Leserinnen und Leser zu schreiben. Am liebsten schreibt man über Veranstaltungen in der Vergangenheit, über Dinge, die die Insider gerne lesen.  Strategische Medienarbeit von Fachleuten ist selten.

👉Hier geht es zum Artikel.

Dieses Thema ist sicher kein spezifisch deutsches, sondern trifft auch für unsere Kirchen in Österreich zu.

Auch in unserem Pfarrverband wird viel nachgedacht, wie man "unser Produkt", von dem wir glauben, dass es einen hohen Wert für uns Menschen hat, denen bekannt machen kann, die sich dafür interessieren könnten. Unser Pfarrer Tom hat ein gutes Gefühl für neue Medien wie YouTube, dennoch erreichen auch seine Videos nur eine kleine Gruppe.

Aus Kostengründen wird die Pfarrverbandszeitung nur mehr halbjährlich erscheinen. Wird sie in der jetzigen Form gelesen? Liegt sie in den Wohnungen ein paar Tage am Zeitungs-Tischerl oder im Zeitungshalter auf der Toilette - oder wandert sie großteils direkt in den  Altpapier Container?

....Ja, und schon wieder haben wir in diesem Blog einen Artikel über "Strukturprobleme" gepostet. Statt über Sorgen und Freuden Ihres Lebens von seinem Anfang bis zu seinem Ende zu schreiben...

Kommentare

  1. In der Medienlandschaft geistert der Begriff „Multy Channel“ seit bald 20 Jahren herum. Es geht immer darum unterschiedlichste „Kontaktpunkte“ auf unterschiedlichsten Ebenen zu nutzen – ja, und auch aktiv zu „bespielen“, wie das Marketer gerne bezeichnen. Ja, kann man nicht klagen, was so alles in der Pfarre passiert. Was leider von der Pfarre übersehen wird, ist, von wem die Initiative ausgehen muss, damit eine Beziehung zu leben beginnt, also „aktiv“ wird. Jeder „Vertriebler“ scheut die „Kalt-Akquise“ wie sprichwörtlich der Teufel das Weihwasser (sorry!). Warum spricht die Pfarrgemeinde ihre Mitglieder nicht einmal persönlich an, reicht ihnen die Hand, lädt sie persönlich ein und hilft ihnen die Schwellenangst zu überwinden. „Alle sind herzlich eingeladen, zu kommen!“ sagt sich schnell. Fühlt sich jemand wirklich persönlich (!) angesprochen, persönliche (!) eingeladen? Das gleiche Märchen erzählt uns auch der Kika zum Sommerschlussverkauf. Warum bleibt man so beharrlich auf diesem billigen, bequemen Niveau? Ihr macht ein tolles „Theater“, liefert eine tolle „Performance“, seid Profis auf der „Bühne“, liebt und ehrt euer „Ensemble“ und alle eure Mitarbeiter vor und hinter der Bühne, aber die Zuschauer sind euch egal, egal, egal. Ein großer Graben trennt die Zuschauer von der Bühne. Dass mir ja nicht noch einer daherkommt, dabei sein zu wollen, wirkliches Mitglied zu sein, dazugehören zu wollen. Die Eintrittskarte zu bezahlen ist selbstverständlich, Klatschen darf man auch, aber der Name des Bewunderers, der in jedem Stück aufgeht und um Verständnis für das Gebotene ringt, interessiert die Theatermacher nicht im Geringsten. Je mehr ihr macht, organisiert, mediale Präsenz auf allen Kanälen zeigt, desto mehr demonstriert ihr eure Egozentriertheit, ja eure Selbstverliebtheit. So wirkt das zumindest für mich als Außenstehenden.

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    1. geri braunsteiner9. August 2019 um 12:10

      Ich finde es spannend, wie sie unsere Pfarre erleben, denn wir ringen immer wieder damit, wie können wir die Menschen in unserer Pfarre erreichen, wie ihnen zeigen, dass sie persönlich gemeint sind, dass wir sie einladen wollen mit uns den Weg zu gehen. Ein Versuch in diese Richtung ist, die persönliche Begrüßung der Menschen, die um halb 10 Uhr in den Gottesdienst kommen, das wird Großteils gut angenommen, aber es gibt auch Menschen die meinen, dass man ihnen da zu nahe tritt. Ein weiterer Versuch, auf die Menschen zuzugehen, ist, dass der Herr Pfarrer nach dem Gottesdienst nicht in der Sakristei verschwindet, sondern dass er vor die Kirchentür geht um für die Menschen da zu sein. Wenn wir zu den Alpha Abenden einladen stehen wir ganz bewusst am Ausgang und reichen allen die eine Einladung nehmen wollen eine entgegen. Auch hier stehen wir immer in der Spannung auf die Menschen zuzugehen, aber auch nicht aufdringlich zu sein. Gerade bei Alpha geht es nicht um eine gute Performance, sondern darum, mit einander ins Gespräch zu kommen, ein Gespräch wo nicht einer recht hat und der andere zuhören soll und lernen soll. Es wäre schön wenn sie beim nächsten Alpha dabei sind und mit uns ins Gespräch kommen, damit wir von ihnen lernen können. Gerade der Blick von Menschen, die sich als Außenstehende empfinden, ist für uns sehr wertvoll, weil wir eigentlich im Gottesdienst keine Situation Zuschauer versus Bühne/Schauspieler haben wollen, sondern ein gemeinsames feiern, dass Gott uns liebt.
      Also vielen Dank für ihr Feedback und ich würde mich sehr freuen, sie nach einem Gottesdienst oder bei den Alphaabenden kennen zu lernen.
      geri braunsteiner, Pastoralassistent

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    2. Wenn Sie von „Menschen in unserer Pfarre“ sprechen, dann meinen Sie offenbar den Anteil, den Sie wahrnehmen, weil er von Ihren Angeboten Gebrauch macht. Erlauben Sie mir bitte, das respektlos mit einem Kaufmann zu vergleichen, dem seine Kunden mehr und mehr fernbleiben, und daher beschlossen hat, seine Kunden zu befragen, wie zufrieden sie mit seinem Angebot sind. Natürlich wird die überwiegende Zahl der Kunden zufrieden sein, denn sonst wären sie ja keine Kunden mehr. Die, die keine Kunden mehr sind, befragt er nicht und sie erzählen ihm daher auch nicht, warum sie nicht mehr einkaufen und er wird nie erfahren, was er dazu beitragen kann, damit er seinen Kundenstock hält. Leute im Marketing nennen das dann die Zufriedenheitsfalle. Sie messen und analysieren die sogenannte „Churn Rate“ um zu erkennen, wo, wann und warum sie Kunden verlieren, wie sich das frühzeitig erkennen lässt und abzuleiten, wie man gegensteuern kann.
      Wenn ich Ihre Worte richtig interpretiere, dann richten sich Ihre Maßnahmen an ihre aufrechten Kunden, also die sogenannten praktizierenden Katholiken. „Wer nicht praktiziert zählt nicht, Zahlen alleine gilt nicht und wer nicht mehr zahlt hat hier sowieso nichts mehr verloren!“ scheint die Devise zu sein. Wenn Sie sich mit noch so liebevoll aufbereiteten Angeboten vor die Kirchentüre stellen, werden Sie nur die Schäfchen erreichen, die sie sowieso haben, aber kein einziges, das sich verirrt hat, das vielleicht erschöpft, verletzt oder absichtlich und trotzig zurückgeblieben ist.
      Wenn Sie nach dem Suchbegriff „Kirchenaustritt“ googeln, bekommen Sie hunderttausende Treffer, die zeigen, wie man das einfach und mit wenigen Klicks hinter sich bringt. Man kann nur staunend den Kopf schütteln.
      Ganz ehrlich: Ich habe den Eindruck man hat begonnen, insgeheim diese Situation, dass der Kirche zigtausende Mitglieder jedes Jahr den Rücken zukehren, zu lieben. Die Verbleibenden fühlen sich immer mehr als Elite vor Gott und der Gesellschaft: "Jeder Austritt macht mich größer, wichtiger, einzigartiger!" Wie sonst ist es zu erklären, dass sich niemand mit diesen „Schmuddelkindern“ von Ignoranten, emotional Distanzierten, Austrittswilligen oder bereits Ausgetretenen abgeben möchte?
      Wenn Sie ein guter Kaufmann wären, würden Sie sich nicht mit denen auseinandersetzen, die kaufen, sondern mit denen, die nicht kaufen. Nur Letztere sagen Ihnen die Wahrheit, weil sie die Entscheidung zu kaufen, nicht vor sich selbst rechtfertigen müssen.
      Aber es ist Ihre Entscheidung, um welche Schäfchen Sie sich kümmern wollen.
      PS: Zu den Alphaabenden finde ich im Internet leider keine Informationen, warum es da eigentlich geht und wann was wo stattfindet. Aber vermutlich sind das wieder Informationen, die nur an der Kirchentür verteilt werden.

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    3. alphakurs.at ist die österreichische Seite zum Alphakurs.

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    4. geri braunsteiner16. August 2019 um 20:19

      Also ganz so wie sie es schreiben ist es nicht, zum einen haben sie in ihrem ersten Statement von Menschen in der Kirche gesprochen, so habe ich es zumindest verstanden wenn sie von Bühne und Zuschauer sprechen und wir den Mitgliedern die Hand reichen sollen, deswegen habe ich von unseren Versuchen in der Kirche geschrieben und zum anderen sind wir regelmäßig am Markt und versuchen mit den Menschen dort in Kontakt zu treten, das Pfarrblatt wird in ganz Stockerau, in jeden Haushalt gebracht und auch Netz versuchen wir "nach draußen" zu gehen. Hätten wir kein Interesse an anderen Menschen, dann würden wir nicht die Möglichkeit bieten anonym unsere Seiten zu kommentieren. Und weil wir gute Kaufleute sein wollen, wie sie es nennen, bin ich mit ihnen in Kontakt getreten und bin nach wie vor an ihrem Blick an Kirche interessiert, denn sie scheinen auch irgendwie an Kirche interessiert zu sein, sonst würden sie hier keinen Kommentar schreiben. Deswegen noch einmal meine Bitte geben sie uns die Chance von Ihnen zu lernen.
      mit lieben Grüßen
      geri braunsteiner

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    5. ich stimme Ihnen, anonym, zu:
      "Je mehr ihr macht, organisiert, mediale Präsenz auf allen Kanälen zeigt, desto mehr demonstriert ihr eure Egozentriertheit, ja eure Selbstverliebtheit."
      So wie ich uns und in besonderer Weise meine Predigten präsentiere, weiß ich, dass ich zumindest mit einem Fuss in der Selbstverliebtheit stehe (und das wurde mir auch von Menschen, mit denen ich zusammenarbeite rückgemeldet - Kritik in der Kirche funktioniert auch).
      Aber ich weiß auch wenig Alternativen: Wenn ich im Internet nachlese oder einschlägige Youtube Videos anschaue oder mich mit Profis im Social Media Bereich unterhalte, bekomme ich fast nur Tipps, die auf eine sehr selbstverliebte Präsentation hinauslaufen (und btw. auch jene Inhalte, durch die ich selber zu wachsen versuche, verwenden dieselben Methoden)
      Verkürzt ausgedrückt: Es scheint mir "professionell" selbstverliebt aufzutreten.
      z.B. schauen sich mehr Menschen meine Videos an, wenn ich im T-Shirt bin, als wenn ich im Collarhemd / Priesterhemd vor die Kamera trete. (nicht das ich so oder so besonders "erfolgreich" wäre.

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    6. „Wer nicht praktiziert zählt nicht, Zahlen alleine gilt nicht und wer nicht mehr zahlt hat hier sowieso nichts mehr verloren!“
      Ich würde ähnlich wie geri braunsteiner auch sagen, dass wir durch die Gestaltung von Pfarrverbandszeitung, Marktbesuche, Alphakurse und Connectedabende, derzeit sehr viel ausprobieren, um Menschen, die aus der Entfernung hin und wieder einen Blick riskieren, neue Andockmöglichkeiten anzubieten.
      Und ja, wir gehen den Menschen, die wie das Schaf sind, "das sich verirrt hat, das vielleicht erschöpft, verletzt oder absichtlich und trotzig zurückgeblieben ist", viel zu selten nach - aber den Vorwurf, dass jemand bei uns nichts verloren hat, weil er nicht mehr zahlt, weise ich entschieden zurück.

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  2. Sigi Braunsteiner17. August 2019 um 22:20

    Ja, ich finde auch, dass die Katholische Kirche und somit auch unsere Pfarre Stockerau noch schwach darin ist, auf Menschen zuzugehen, die nicht direkt zur Pfarre gehören und sie einzuladen, unseren Gott, der alle Menschen unendlich liebt, in der Pfarrgemeinschaft näher kennenzulernen. Aber ich denke, wir sind gerade dabei es zu lernen, die Kirche ist gerade dabei ihre Aufgabe wieder zu erkennen: geht hinaus und erzählt allen Menschen von Gottes Liebe.... und ja, ich als Pfarrgemeinderätin muss da sicher auch noch Vieles dazulernen - es tut mir leid, dass Sie uns so ablehnend erlebt haben, wir müssen da echt noch viel lernen und verändern! Ich würde mich freuen, Sie an einem Alpha Abend kennenzulernen und würde ihnen auch gerne zeigen, dass wir schon wirklich Interesse an fremden Menschen haben, wenn Sie das auch anders erlebt haben!

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  3. Danke, dass Sie sich die Mühe machen, auf meine Kommentare so ausführlich einzugehen. Wenn ich über Ihre Worte nachdenke und in mich hineinhöre, dann wird mir bewusst, welch unüberwindlicher emotionaler Graben sich zwischen der katholischen Kirche und mir sich im Laufe der Jahrzehnte bereits gebildet hat. (In Ansätzen kann ich damit wohl auch erfühlen, wie es erst den Menschen gehen muss, von denen wir erwarten und verlangen, dass sie sich integrieren.) Ist der Faden der emotionalen Nähe erst einmal gerissen, werden die Fliehkräfte größer und größer und es gibt offenbar kein Zurück mehr. Ich werde versuchen, mich damit einfach abzufinden. Nochmals danke für Ihre Worte!

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  4. Und trotzdem spricht eine Sehnsucht aus Ihren Worten …
    In einer emotionalen Krise auf andere Menschen zuzugehen, kostet Überwindung. Aber gerade da könnte das Gespräch mit Herrn Pfarrer Kruczynski, einem kompetenten und vor allem menschlichen Seelsorger, gut helfen. Da stellt sich noch gar nicht die Frage nach der Identifikation mit der katholischen Kirche.

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  5. Weil ich heute am Vormittag mit 4 Anderen unserer Pfarre in der Marktgasse wieder einmal fremde Menschen zu den Angeboten unserer Pfarre eingeladen habe, musste ich wieder an dieses "Gespräch" hier denken - einige Menschen von heute vormittag können sich auch nicht mit der katholischen Kirche identifizieren, weil die Kirche halt schon einige Fehler gemacht hat - wie auch ich und wir alle Fehler machen - aber mir ist bei meinem Glauben eigentich ganz wichtig, dass ich zu Gott gehöre, dass ich weiß, dass ER mich und jeden Menschen unendlich liebt und diese Freundschaft mit Gott ist es, die mich antreibt, mich für die Kirche zu engagieren.
    Menschen machen halt leider immer wieder Fehler, nur Gott ist wirklich treu und er wird uns immer unendlich lieben!!! Und im Gespräch mit anderen Menschen ist auch immer wieder die Liebe Gottes, die uns alle verbindet, spürbar!

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