ganz oder gar nicht (Predigt vom 28. Sonntag im Jahreskreis A) Mt 22 1-14

In dieser Predigt liest (oder hörst) Du eine Auslegung von Mt 22,1-14 dem Evangelium vom 28. Sonntag im Jahreskreis A 
Schon vor 20 Jahren also noch Jahre bevor ich in das Priesterseminar eingetreten bin, habe ich die Erfahrung gemacht, dass es mir besser geht, wenn ich Sonntag abends in der Messe gewesen bin. Egal wie es mir vorher gegangen ist, nachher war besser. Egal, was ich anderes hätte tun können, nachher war besser. Und aus dieser Erfahrung heraus, spreche ich über die Erzählung Jesu von der Hochzeit, zu der keiner kommen will.
Der Rest der Predigt gliedert sich in vier Teile:
1. Das Fest zu dem keiner kommen will
2. Gute und Böse sind eingeladen
3. Und doch fliegt einer raus …
4. Was bedeutet das alles für mein Leben

Am Ende dieses Videos kennst Du die Spannung zwischen zweiten und dritten Teil des Gleichnisses und hast einen Ausgangspunkt, von dem aus Du über die Frage nachdenken kannst, ob es tieferes im menschlichen Leben gibt als die Frage von gut und böse.

1. Teil des Gleichnisses: Das Fest zu dem keiner kommen will
Im bewusster Übertreibung erzählt Jesus ein Gleichnis einer Hochzeit, zu der keiner kommen will. Wir können mitfühlen, wenn wir selber als Kind oder als Erwachsene die Erfahrung gemacht haben, dass wir mit Freunden feiern wollen und dann kommt keiner – oder es kommt die Person nicht, auf die wir uns am meisten gefreut haben. Und am meisten tut es weh, wenn wir eine Ausrede hören, wie: Ich musste das oder das einkaufen, oder ich musste mir das oder das anschauen und wir uns denken: Das hättest Du doch morgen auch tun können. Oder? Diese Erfahrung macht Gott. Jeder Mensch ist zur Gemeinschaft mit ihm geladen, doch viele haben besseres vor. Und was mich traurig stimmt, ob bewusst oder unbewusst, dass vermeintlich eigene Glück wird über das Glück des anderen gestellt. Im Suchen nach dem eigenen Glück, dem eigenen Erfolg werden die Menschen blind nicht nur für das Leid der anderen sondern auch für deren Freude.
Die Hochzeit im Gleichnis ist Bild für das Reich Gottes. Auf der einen Seite betrachtet, bedeutet das, Reich Gottes ist Reich der Fülle, Reich des Lebens in Fülle zu dem wir eingeladen sind. Auf der anderen Seite bedeutet es Liebesvereinigung Deiner Seele mit dem lebendigen Gott wie die Liebesvereinigung zwischen Braut und Bräutigam. Sind wir dazu schon bereit?

2. Teil des Gleichnisses: Zum Fest sind Gute und Böse eingeladen
Ein Skandal für viele Rechtgläubige. Wie kann Gott nicht nur die Guten, sondern auch die Bösen zum Festmahl einladen. So sehr bemühe ich mich, dass richtige zu tun und dann sitze ich im Himmel – oder schlimmer noch in der Kirche am Sonntag – neben einem Verbrecher, neben einen unanständigen Menschen. Immer noch völlig unbegreiflich für uns, dass Gott alle Menschen gleich liebt, egal wie gut oder böse ihr Handeln ist. Gott feiert die Überwindung aller Trennung, zwischen Nationen und Rassen und Geschlechtern zwischen Gott und Mensch - und schließlich zwischen gut und böse. Eigentlich unvorstellbar, oder?
Aber ist es nicht egal was ich tue – ich will kein Leben indem es egal ist, was ich tue. Nein, so ist es auch nicht, mit der Liebe spielt man nicht, schon gar nicht, wenn es sich um die Liebe Gottes handelt.

3. Teil des Gleichnisses: Und doch fliegt einer raus ...
Wer bis jetzt nicht Anstoß genommen hat an dem Gleichnis Jesu wird es jetzt noch tun. Denn obwohl Gute und Böse zum Festmahl eingeladen sind, die Vergangenheit nicht zählt, so muss die Einladung doch ernst genommen werden. Unvorbereitet darf niemand beim Hochzeitsmahl erscheinen. Und das ist das Geniale und Herausfordernde an diesem Gleichnis Jesu: Gibt es eine Ebene die tiefer liegt als die Frage von gut und böse. Das Gleichnis lässt offen, ob es ein guter oder ein böser ist, der rausfliegt. Die Theologie spricht von der Grundentscheidung oder Fundamentaloption des Menschen: Will ich die Einladung Gottes zur Kommunion also zur Gemeinschaft – mehr noch zur Liebesvereinigung mit ihm annehmen oder ablehnen? Wem das Wort Liebesvereinigung zu pathetisch ist, kann gerne darüber nachdenken, wie das Leben nach dem Tod anders sein soll, wenn wir nicht ganz in Gott sind und ganz mit ihm vereint, intimer und näher als Braut und Bräutigam es sein können.

Was sollen wir also tun?
Zunächst uns Zeit nehmen, für das, was unseren Nächsten wichtig ist. Als Christinnen und Christen sind wir in besonderer Weise dazu berufen, an Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen teilzunehmen und bei ihnen zu sein und mit ihnen Gott entgegen zu gehen.
So lernen wir uns Zeit zu nehmen, für das was Gott wichtig ist.
Wir müssen nicht immer alles verstehen, wir müssen nicht immer in der „richtigen“ Stimmung sein um Gottesdienst zu feiern, wir dürfen an der Freude des Himmels teilhaben und sollen daran teilnehmen und uns darauf verlassen, dass uns die Begegnung mit dem lebendigen Gott in der Mitte unseres Lebens verwandeln wird – dieser Wunsch muss da sein, ergebnisoffen, d.h. ohne zu wissen, wie mein Leben nachher aussehen muss. 
Gott liebt Dich UND verlangt nach Deiner herzhaften und ganzheitlichen Antwort.



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